Ukraine-Krieg Newsblog | Ukraine: Russische Truppen verdreifachen Angriffe

London: Russische Soldaten bezeichnen Fahrzeuge als “Aluminiumdosen”

9.03 Uhr: Nach enormen Verlusten fehlen Russland im Ukraine-Krieg nach Einschätzung britischer Geheimdienste moderne Kampffahrzeuge. Russische Soldaten seien mutmaßlich frustriert, dass sie alte Infanterie-Fahrzeuge nutzen müssten, die “Aluminiumdosen” genannt würden, hieß es am Donnerstag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums.Mitte Oktober hätten die russischen Einheiten durch ukrainische Gegenangriffe mehr als 40 Fahrzeuge pro Tag verloren, was den Briten zufolge etwa der Ausrüstung eines gesamten Bataillons entspricht. In den vergangenen Wochen habe Moskau mindestens 100 zusätzliche Panzer und Infanterie-Kampffahrzeuge aus belarussischen Beständen gekauft. Mutmaßlich sei es jedoch schwierig für die russischen Einheiten, ausreichend geeigneten Ersatz für das beschädigte Material zu beschaffen, was der Offensive Probleme bereite.

Russischer Beschuss im Zentrum und im Nordosten

7.53 Uhr: In der Nacht zu Donnerstag haben russische Truppen nach Angaben des ukrainischen Militärs die Stadt Kriwij Rih im Zentrum des Landes beschossen. Auch Sumy und Charkiw im Nordosten seien angegriffen worden. In den Regionen Luhansk und Donezk im Osten hielten die Kämpfe an. “Der Feind versucht, die vorübergehend eroberten Gebiete zu halten”, teilt der ukrainische Generalstab mit. “Er konzentriert seine Bemühungen darauf, die Aktionen der Verteidigungskräfte in bestimmten Gebieten einzudämmen.”

AKW Saporischschja erneut vom Stromnetz getrennt

06.39 Uhr: Das Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine ist nach russischem Beschuss vom Stromnetz getrennt. Die verbliebenen Hochspannungsleitungen seien getroffen und beschädigt worden, teilt der ukrainische Betreiber Energoatom mit.Das AKW werde nur noch über Dieselgeneratoren versorgt. Der Diesel-Vorrat reiche für 15 Tage. Das AKW ist das größte in Europa. Es ist seit Längerem von russischen Truppen besetzt, wird aber von den ukrainischen Beschäftigten betrieben.Das Atomkraftwerk Saporischschja. (Quelle: Uncredited/AP/dpa./dpa)

UN: 14 Millionen Menschen durch Ukraine-Krieg vertrieben

5.10 Uhr: Russlands Einmarsch in die Ukraine hat nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR zur größten Vertreibung von Personen seit Jahrzehnten geführt. “Etwa 14 Millionen Menschen wurden seit dem 24. Februar aus ihren Häusern vertrieben”, sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi gestern in New York. Und die Situation verbessere sich vor einem mutmaßlich harten Winter nicht.”Die durch Angriffe verursachte Zerstörung der zivilen Infrastruktur, die während wir hier sprechen, weitergeht, lässt die humanitäre Hilfe schnell wie einen Tropfen auf den heißen Stein der Not erscheinen”, so der Italiener Grandi weiter. Die humanitäre Hilfe müsse weiter ausgeweitet, der “sinnlose” Krieg beendet werden.

Die Nacht im Überblick

5 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht die Wiederaufnahme des Getreideabkommens als Teilerfolg im Krieg mit Russland. “Die russische Erpressung hat zu nichts geführt”, sagte Selenskyj gestern in seiner abendlichen Videoansprache.Er lobte insbesondere UN-Generalsekretär António Guterres und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sowie weitere Schlüsselpartner als Vermittler. “Wieder einmal hat jeder gesehen, dass es in unserer Region nur eine Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit gibt, und das ist die Russische Föderation und sonst niemand”, betonte er nach mehr als acht Monaten Krieg. Hier lesen Sie mehr.Ukrainischer Panzer in der Südukraine: Der Krieg hat laut UN zu der größten Vertreibung seit Jahrzehnten geführt. (Quelle: Valentyn Ogirenko/Reuters/dpa-bilder)

Selenskyj: Angriffe russischer Jets bedrohen Getreideexporte

22.30 Uhr: Ein russischer Kampfjet hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über dem Korridor im Schwarzen Meer für Getreide-Transport zwei Marschflugkörper abgefeuert. Dies geschehe fast täglich, so der Präsident. Damit bedrohe Russland die Lebensmittelexporte.

Russland scheitert mit Resolution zu Biowaffen in UN-Sicherheitsrat

22.15 Uhr: Russland ist vor dem UN-Sicherheitsrat wie erwartet mit einer gegen die USA und die Ukraine gerichteten Resolution zu Biowaffen gescheitert. Der Text, der sich an unbelegte russische Vorwürfe anlehnt, die USA würden biologische Waffen in der Ukraine produzieren, bekam am Mittwoch nur zwei Stimmen – die von Moskau selbst sowie von China. Die USA, Großbritannien und Frankreich stimmten gegen die Beschlussvorlage. Die übrigen zehn Länder des 15-köpfigen Rates enthielten sich. Für eine Annahme wären mindestens neun Stimmen nötig gewesen.Die Resolution galt als erneuter Versuch Moskaus, seinen nicht belegten Behauptungen Geltung zu verschaffen.

Ukraine geht von 7.000 im Krieg Vermissten aus

21.20 Uhr: Die ukrainische Regierung schätzt die Zahl der Vermissten im Krieg gegen Russland auf rund 7.000. Genaue Angaben seien wegen der Kampfhandlungen aber unmöglich, teilte die stellvertretende Verteidigungsministerin Hanna Maljar am Mittwoch der Agentur Unian zufolge mit. Die Zahlen würden meist spät und ungenau übermittelt.Maljar rief die Bevölkerung auf, keine persönlichen Angaben über vermisste Angehörige im Internet zu verbreiten – zumal, wenn es sich um Soldaten handele. “Der Feind nutzt diese Information. Veröffentlichen Sie kein Foto eines Vermissten in Uniform und mit persönlichen Daten. Diese Person könnte sich in den vorübergehend besetzten Gebieten in Zivil verstecken, und das könnte ihn entlarven. Es könnte auch den Gefangenenaustausch erschweren.” Die Vize-Verteidigungsministerin appellierte, sich im Bedarfsfall an spezielle Koordinierungsstellen zu wenden.

Kiew nach Notabschaltung ohne Strom

19.10 Uhr: In der Region Kiew ist die Stromversorgung durch eine Notabschaltung nach einem Anstieg des Verbrauchs unterbrochen worden. Dies sei nötig geworden, um größere Schäden am Stromnetz abzuwenden, teilen ukrainischen Behörden mit. Russland hatte in den vergangenen Tagen gezielt die Energie-Infrastruktur angegriffen.

Russland warnt Westen vor Provokationen

17.36 Uhr: Russland wirft dem Westen Provokationen im Zusammenhang mit Massenvernichtungswaffen vor und fordert, diese einzustellen. Das Außenministerium in Moskau warnt vor katastrophalen Konsequenzen und versichert zugleich, keine Atomwaffen einsetzen zu wollen. Es bekräftigt, Russland stehe zu einer gemeinsamen Erklärung mit den anderen Atommächten USA, China, Großbritannien und Frankreich vom Januar, einen Atomkrieg und einen Rüstungswettlauf zu vermeiden. Um welche Provokationen des Westens es sich handeln soll, teilt die russische Regierung nicht mit.Offenbar meint sie damit Vorwürfe des Westens, Russland beschwöre die Gefahr eines Einsatzes von Atomwaffen mit dem Vorwurf herauf, die Ukraine plane den Einsatz einer schmutzigen Bombe mit radioaktivem Material. Die Regierung in Kiew weist diese Verdächtigungen zurück. Zudem hat Russlands Präsident Wladimir Putin bereits früher vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine mit einem Atomschlag gedroht. Dies gelte für Angriffe auf russisches Territorium. Aus Sicht der Moskauer Regierung sind die annektierten Teile der Ukraine russisches Gebiet.

US-Regierung wirft Nordkorea Waffenlieferungen an Russland vor

15.42 Uhr: Die US-Regierung wirft Nordkorea vor, Russland im Krieg gegen die Ukraine heimlich mit Militärausrüstung zu unterstützen. Nordkorea versuche die Lieferungen von Artilleriegeschossen über andere Länder etwa im Nahen Osten zu verschleiern, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, am Mittwoch. “Wir werden weiterhin beobachten, ob die Lieferungen tatsächlich ankommen.” Hier lesen Sie mehr.

Geschätzt 400.000 Russen wegen Mobilmachung geflohen

15.30 Uhr: Laut westlichen Regierungsquellen sind infolge der teilweisen Mobilmachung schätzungsweise 400.000 Russen aus ihrer Heimat geflohen. Bei der Zahl seien noch nicht diejenigen berücksichtigt, die wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine das Land schon vorher verlassen hätten. Neben der Flucht ins Ausland seien auch viele Russen im eigenen Land untergetaucht, um der Einziehung in die Streitkräfte zu entgehen, so die Regierungsvertreter am Mittwoch im Gespräch mit Journalisten.Wenn man das addiere mit der Zahl der Menschen, die tatsächlich eingezogen wurden, sei der Rückgang der berufstätigen Bevölkerung “eine erhebliche zusätzliche Last für Russlands Wirtschaft und seine öffentlichen Finanzen”, erklärten sie weiter.

Russland will britischen Botschafter einbestellen

11.45 Uhr: Der britische Botschafter soll nach Angaben des russischen Außenministeriums einbestellt werden. Russland wirft Großbritannien Mithilfe bei dem Angriff auf den Krim-Marinehafen Sewastopol am vergangenen Samstag vor. “In diesem Zusammenhang wird der britische Botschafter in Kürze ins russische Außenministerium einbestellt werden”, sagt eine Sprecherin des Außenministeriums. Großbritannien hat die Beschuldigungen als falsch zurückgewiesen.

Russland steigt wieder in Getreideabkommen mit Ukraine ein

11.25 Uhr: Russland steigt wieder in das am Samstag ausgesetzte Abkommen zum Export von Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer ein. Moskau habe von Kiew “schriftliche Garantien” erhalten, dass der für den Getreidetransport genutzte Schiffskorridor nicht für militärische Zwecke genutzt werde, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Mittwoch auf dem Onlinedienst Telegram.Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bestätigte, dass die Getreideexporte über den Korridor im Schwarzen Meer wieder aufgenommen werden. “Nach meinem gestrigen Gespräch mit (dem russischen Präsidenten Wladimir) Putin werden die Getreidelieferungen ab heute Mittag fortgesetzt”, sagte Erdoğan am Mittwoch. Mehr dazu lesen Sie hier.

Polen errichtet Stacheldrahtzaun an Grenze zu Kaliningrad

11.08 Uhr: Polen will eine provisorische Absperrung an seiner mehr als 200 Kilometer langen Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad errichten. Es handele sich um einen 2,5 Meter hohen und drei Meter breiten Stacheldrahtverhau, teilte Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak der Agentur PAP zufolge am Mittwoch in Warschau mit. Die Arbeiten würden sofort beginnen.”Es liegt uns viel daran, dass diese Grenze dicht ist”, betonte der Politiker der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Blaszczak begründete den Schritt zum einen mit der nationalen Sicherheit. Zum anderen würden Migranten aus dem Nahen Osten oder Nordafrika mit dem Flugzeug nach Kaliningrad kommen und versuchen, von dort auf EU-Gebiet zu gelangen.

London: Russische Truppen kommen nur langsam voran

8.20 Uhr: Die russischen Truppen kommen bei ihren Angriffen in der Ukraine nach Einschätzung britischer Geheimdienste nur äußerst langsam voran. Das Verteidigungsministerium in London verwies am Mittwoch auf Aussagen des Chefs der Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, wonach seine Einheiten täglich 100 bis 200 Meter vorrückten. Prigoschin habe zwar gesagt, dies sei in der modernen Kriegführung normal. Das britische Ministerium betonte aber, die russische Militärdoktrin sehe Vorstöße von 30 Kilometern pro Tag vor.Zum Vergleich teilte die Behörde weiter mit: “Im Februar planten die russischen Streitkräfte einen 1.000 Kilometer weiten Vormarsch durch die Ukraine innerhalb eines Monats. Im September erzielten die ukrainischen Einheiten Vorstöße von mehr als 20 Kilometern pro Tag.”

Kiew nachts unter Beschuss

8.17 Uhr: Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach Behördenangaben auch in der Nacht zu Mittwoch beschossen worden. Die ukrainischen Streitkräfte hätten 12 von 13 Drohnen abgeschossen, die aus iranischer Produktion stammten, teilt Andrij Jermak, der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, auf Telegram mit. “Wir sind derzeit im Gespräch über die Lieferung moderner Luftverteidigungssysteme, wir arbeiten jeden Tag daran.”

Kiew wirft Russland Zwangsdeportationen vor

6.35 Uhr: Im Süden der Ukraine weitet Russland seine sogenannten Evakuierungen in Erwartung einer Offensive aus. Die Besatzungstruppen wiesen am Dienstag Zivilisten an, einen breiten Streifen am östlichen Ufer des Dnepr zu verlassen. Die Regierung in Kiew warf Russland daraufhin Zwangsdeportationen vor, mit denen ganze Landstriche entvölkert werden sollten. Das sei ein Kriegsverbrechen.Unterdessen geriet auch der einzig größere Kompromiss, den die Kriegsparteien abgeschlossen hatten, weiter ins Wanken. Die Vereinten Nationen teilten mit, dass am Mittwoch der Frachtverkehr mit ukrainischem Getreide über das von Russland kontrollierte Schwarze Meer eingestellt werde.

Ukraine kämpft um Energieversorgung – die Nacht im Überblick

5 Uhr: Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft noch vor Beginn des Winters auf Hilfe der EU bei der Wiederherstellung des durch russische Angriffe schwer angeschlagenen Energienetzes der Ukraine. Vierzig Prozent des Energiesystems seien “schwer beschädigt”, sagte der Staatschef bei einem Treffen mit EU-Energiekommissarin Kadri Simson am Dienstag in Kiew. “Wir werden alles tun, um die Menschen in diesem Winter mit Strom und Wärme zu versorgen”, versprach er am Abend in seiner täglichen Videoansprache. Hier lesen Sie den Überblick über die Geschehnisse in der Nacht.Brand nach Angriff auf Energie-Infrastruktur in Kiew: Durch russischen Beschuss ist die Stromversorgung stark eingeschränkt. (Quelle: IMAGO/ZUMA Press)

Schweden bei Nato-Mitgliedschaft offen für Stationierung von Atomwaffen

23 Uhr: Der neue schwedische Regierungschef Ulf Kristersson hat sich im Falle von Schwedens Nato-Mitgliedschaft offen für die Stationierung von Atomwaffen in seinem Land gezeigt. “Sie werden von mir genau die gleiche Antwort erhalten wie von der finnischen Ministerpräsidentin”, sagte Kristersson bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner finnischen Kollegin Sanna Marin in Helsinki. “Wir haben beschlossen, dass wir uns für die Zukunft keine Türen verschließen wollen”, hatte diese zuvor auf die Frage geantwortet, ob Schweden und Finnland Atomwaffen auf ihrem Boden akzeptieren würden.Es sei “ganz natürlich, dass Schweden und Finnland in diesen Fragen gemeinsam” handelten, sagte Kristersson. Er habe keine andere Absicht, als auch in diesem Sinne “mit Finnland Hand in Hand zu gehen”. Sowohl Marin als auch Kristersson räumten jedoch ein, dass Vorbehalte “später” verhandelt werden könnten. Schwedens sozialdemokratische Vorgängerregierung hatte eine Stationierung von Atomwaffen noch abgelehnt.Ulf Kristersson und Sanna Marin: “Wir haben beschlossen, dass wir uns für die Zukunft keine Türen verschließen wollen.” (Quelle: Ole Berg-Rusten/imago images)

Selenskyj will EU-Hilfe für Reparaturen am Energiesystem

21.52 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft auf Hilfe der EU bei der Wiederherstellung des durch russische Angriffe schwer angeschlagenen Energienetzes in seinem Land. 40 Prozent des Energiesystems seien zerstört, sagte der Staatschef bei einem Treffen mit der EU-Energiekommissarin Kadri Simson in Kiew.Bei der Wiederherstellung der Energie-Infrastruktur sollte die EU-Kommission eine koordinierende Rolle spielen, regte Selenskyj an. Er erinnerte an die Ukraine-Kontaktgruppe, das sogenannte Ramstein-Format, in dem die Unterstützerländer ihre Rüstungshilfe koordinieren. Für Wirtschaft und Energie sollte es ebenfalls ein “Ramstein” geben, sagte er nach Medienberichten.”Ich bin sicher, dass wir alles wiederherstellen werden”, sagte Selenskyj. “Und in einer ruhigeren Zeit, wenn die Lage in unserem Energiesystem wieder stabil ist, werden wir wieder Strom nach Europa exportieren.”

Türkei zuversichtlich, dass Getreideabkommen bestehen bleibt

21.31 Uhr: Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar zeigt sich zuversichtlich, dass das von den UN und seinem Land vermittelte Getreideabkommen zwischen Russland und der Ukraine bestehen bleibt. Es gebe Fortschritte in der Frage, teilt er mit. Russland hatte am Wochenende das Abkommen nach Angriffen auf die Schwarzmeerflotte in Sewastopol ausgesetzt.

Ukraine fürchtet den Einsatz von iranischen Raketen durch Russland

17.06 Uhr: Die ukrainische Armee befürchtet, dass Russland neben Drohnen auch Mittelstreckenraketen aus dem Iran kauft und gegen die Ukraine einsetzen wird. Dies sei gefährlich, weil die Ukraine keine geeigneten Abwehrwaffen habe, sagte Luftwaffensprecher Jurij Ihnat in Kiew. “Wir haben eine Luftverteidigung, keine Raketenabwehr.” Es gehe um ballistische Raketen iranischer Bauart mit Reichweiten von 300 bis 700 Kilometern, die den russischen Boden-Boden-Raketen vom Typ Iskander-M ähnelten.Iranische Raketen: Die iranische Führung soll Moskau weitere Waffensystem angeboten haben. (Quelle: Morteza Nikoubazl/imago images)Der Iran werde Russland mit Mittelstreckenraketen und weiteren Drohnen beliefern, berichtete am Dienstag der US-Sender CNN und berief sich auf Erkenntnisse westlicher Rüstungsexperten. Bislang setzt Russland diesen Angaben nach vor allem die iranischen Einweg-Kampfdrohnen Schahed-136 ein. Der Iran und Russland bestreiten ein Rüstungsgeschäft. Die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge bereits 300 dieser Drohnen abgeschossen. Dabei habe sich der deutsche Flugabwehrpanzer Gepard sehr bewährt.Seit Russland mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern verstärkt auf die ukrainische Energie-Infrastruktur schießt, haben viele Länder der Ukraine mehr Flugabwehrwaffen zugesagt. Die ersten zwei von acht versprochenen Flugabwehrsystemen Nasams sollten bald dort eintreffen, sagte ein Pentagon-Vertreter am Montag in Washington.

Kadyrow will Mobilisierung fortsetzen

13.45 Uhr: Der Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, hat angekündigt, zeitnah neue Rekruten in der Region einberufen zu wollen. Das berichten örtliche Medien in der Kaukasusregion. In einer Rede vor Soldaten habe Kadyrow demnach erklärt, dass die Betroffenen bald in Einheiten gebracht würden und “Angehörige nicht wissen werden, wo sie sind”. Demnach werden sich die Mobilisierungen nur an Tschetschenen richten, die sich bislang nicht in der Armee verpflichtet hätten.Kadyrow hat sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs als einer seiner schärfsten Befürworter profiliert und auch eigene Einheiten in die Ukraine geschickt. Die russische Armeeführung kritisierte er regelmäßig als zu weich. Kadyrow fordert zudem den Einsatz von Atomwaffen gegen die Ukraine.Ramsan Kadyrow: Der Tschetschenenführer kündigt weitere Mobilisierungen an. (Quelle: -/AP/dpa/dpa-bilder)

Kremlsprecher: Putin wird Teilmobilisierung nicht formal aufheben

13 Uhr: Äußerungen des Kreml mehren Zweifel an einem Ende der russischen Mobilisierung. Sprecher Dmitri Peskow erklärte am Dienstag, dass ein Dekret des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Beendigung der Teilmobilmachung von Reservisten nach Darstellung des Präsidialamtes nicht nötig sei – diese Frage sei von der Rechtsabteilung abschließend geklärt worden. Putin hatte am Montag gesagt, er werde mit Rechtsexperten beraten, ob ein neues Präsidialdekret notwendig sei.Peskow hielt jedoch daran fest, dass die Mobilisierung beendet sei. “Die Teilmobilmachung ist abgeschlossen”, sagte er – und bekräftigte diese Haltung: Auf die Frage, ob Putins Dekret vom 21. September zur Teilmobilmachung in Kraft bleibe, antwortete er: “Nein.” Nach Regierungsangaben wurden 300.000 Reservisten in gut einem Monat einberufen, weitere würden nicht benötigt.Kremlsprecher Dmitri Peskow: “Die Teilmobilmachung ist abgeschlossen.” (Quelle: Alexei Nikolsky)Dass es aber kein Dekret auch zur Beendigung der Teilmobilmachung gibt, könnte in der Bevölkerung die Sorge nähren, dass sie wieder aufgenommen werden könnte. Beobachter vermuten, dass sich der Kreml so eine schnelle Rückkehr zur Mobillisierung von Rekruten offenhält. “Das bedeutet natürlich, dass das Militär einfach wieder mit der Einberufung von Männern beginnen kann, ohne das formale Getue”, urteilt der Journalist des russischen Exil-Mediums “Meduza”, Kevin Rothrock. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor erklärt, dass sich Kiew auf weitere Einberufungswellen Moskaus vorbereite.Nach der ersten Einberufung von Reservisten seit Ende des Zweiten Weltkrieges hatten sich Hunderttausende wehrfähige Männer nach Georgien, Armenien und Kasachstan abgesetzt. Es kam zu Protesten gegen die Teilmobilmachung, bei denen mehr als 2.000 Menschen festgenommen wurden.

Drei weitere Getreide-Frachter aus ukrainischen Häfen aufgebrochen

11.36 Uhr: Trotz Russlands Aussetzung des Getreide-Exportabkommens mit der Ukraine haben am Dienstagvormittag drei weitere Frachtschiffe mit Getreide ukrainische Häfen verlassen. Die Schiffe seien auf dem Weg zu dem sogenannten humanitären Seekorridor im Schwarzen Meer, teilte das Gemeinsame Koordinierungszentrum (JCC) in Istanbul mit.Die Fahrten der drei Getreide-Frachter seien von der ukrainischen, der türkischen und der UN-Delegation gebilligt worden, erklärte das JCC. “Die Delegation von Russland wurde informiert”, hieß es weiter. Am Montag hatten bereits zwei Frachter mit Getreide und anderen landwirtschaftlichen Produkten ukrainische Häfen verlassen.

Cherson: Russische Besatzer kündigen weitere Evakuierungen an

9.56 Uhr: Angesichts der ukrainischen Offensive zur Rückeroberung von Cherson haben die russischen Besatzungsbehörden in der südukrainischen Region die Evakuierung Zehntausender weiterer Menschen angekündigt. “Wir werden bis zu 70.000 Personen neu ansiedeln und verlegen”, sagte der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Cherson, Wladimir Saldo, am Dienstag in einer Livesendung im Rundfunk. Betroffen sind demnach die Menschen auf einem 15 Kilometer breiten Streifen östlich des Flusses Dnipro.Vergangene Woche hatte die russische Armee bereits mitgeteilt, dass 70.000 Zivilisten ihre Häuser am Westufer des Dnipro verlassen hätten. Saldo führte aus, die neuen Evakuierungen seien angesichts des Risikos eines “möglichen Raketenangriffs” auf einen Staudamm an dem Fluss beschlossen worden, der zu einer Überschwemmung des linken Ufers führen könnte.Mit den Evakuierungen wurde laut dem Gouverneur bereits begonnen, sie würden nun in Cherson oder auch “anderen Regionen Russlands” ausgeweitet. Details nannte Saldo dazu nicht. Am Montag hatte er bereits erklärt, die Räumung des 15 Kilometer breiten Uferstreifens ermögliche es der russischen Armee, eine bessere Verteidigung aufzubauen, “um den ukrainischen Angriff zurückzudrängen”.Die Region Cherson steht teilweise unter Russlands Kontrolle. Vergangenen Monat annektierte Russland die von ihm eroberten Gebiete. Die ukrainische Armee führt seit einigen Wochen eine Offensive zur Rückeroberung der gesamten Region Cherson und rückt dabei vom Westen ostwärts vor.Evakuierungen: Zehntausende Menschen sollen die Region Cherson verlassen. (Quelle: Maks Vetrov/imago images)

“Einiges Russland” fordert Geldstrafen für Mobilisierungsverweigerer

9.50 Uhr: Abgeordnete der Partei “Einiges Russland” haben einen Gesetzentwurf zur strafrechtlichen Ahndung von Mobilisierungsverweigerern ausgearbeitet. Sie schlagen Geldstrafen von bis zu 500.000 Rubel (ca. 8.100 Euro), Zwangsarbeit oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren vor. Das Dokument ist bereit, dem Parlament vorgelegt zu werden, berichtet die russische Nachrichtenseite “Izvestia”.Der Zeitung zufolge soll es bei dem Entwurf nicht um die kürzlich offiziell abgeschlossene Teilmobilisierung gehen, sondern um eine grundlegende Reform der Gesetzgebung bei einer Mobilisierung.

London: Moskau will Belarus als Verbündeten darstellen

9.48 Uhr: Russland will in seinem Krieg gegen die Ukraine nach Einschätzung britischer Geheimdienste das gemeinsame Nachbarland Belarus gegenüber dem Westen verstärkt als Verbündeten darstellen. Moskau habe dort auf einem Flugplatz mutmaßlich zwei Abfangjäger des Typs MiG-31 und einen großen durch einen Erdwall geschützten Container stationiert, hieß es am Dienstag in einem Bericht des Verteidigungsministeriums in London. Dazu veröffentlichte das Ministerium ein Satellitenbild.Die Stationierung stehe wahrscheinlich in Zusammenhang mit russischen Hyperschallraketen AS-24 Killjoy (“Spielverderber”). Diese Raketen sind nach Einschätzung der Nato mit herkömmlicher Flug- oder Raketenabwehr kaum abzufangen – daher der Spitzname. Moskau habe solche Raketen bereits seit 2018 im Einsatz, so die Briten. Bislang seien aber keine in Belarus stationiert gewesen. Angesichts einer Reichweite von rund 2.000 Kilometern bringe dies im Ukraine-Krieg wohl auch keinen strategischen Vorteil, sondern solle eher ein Signal an den Westen senden.Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will London der russischen Darstellung des Geschehens entgegentreten und Verbündete bei der Stange halten. Moskau spricht von einer Desinformationskampagne.

Klitschko: Wasserversorgung in Kiew läuft wieder

8.24 Uhr: Nach dem russischen Raketenbeschuss auf die Ukraine ist die Wasserversorgung in der Hauptstadt Kiew nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wieder hergestellt. Experten der kommunalen Dienstleister hätten auch die Stromversorgung wieder instandgesetzt, teilte Klitschko am Dienstag mit. Trotzdem komme es zu Ausfällen, weil das Defizit im Energiesystem nach den “barbarischen Angriffen des Aggressors” vom Montag bedeutend sei.Am Montagabend hatte der Bürgermeister mitgeteilt, dass es an 40 Prozent der Verbrauchsstellen noch kein Wasser gegeben habe und rund 250.000 Wohnungen ohne Strom seien. Er hatte da bereits eine Besserung der Lage in Aussicht gestellt, kündigte aber auch Stromsparmaßnahmen an. Russland hatte die Ukraine am Montag massiv mit Raketen beschossen und dabei besonders Energieanlagen als Ziel im Visier.Die Angriffe galten auch als Antwort auf den Drohnen-Beschuss der russischen Schwarzmeerflotte auf ihrem Stützpunkt in Sewastopol auf der Halbinsel Krim am vergangenen Samstag. “Teils ist das so. Aber das ist auch nicht alles, was wir hätten tun können”, sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Montagabend vor Journalisten auf die Frage, ob die Angriffe eine Vergeltung für den Drohnen-Beschuss der Kriegsschiffe gewesen sei.

Vier Raketen treffen Mykolajiw

8.09 Uhr: Die russischen Streitkräfte haben in der Nacht zu Dienstag die südukrainische Hafenstadt Mykolajiw angegriffen. Vier Raketen seien eingeschlagen, berichten Reuters-Reporter. Ein Wohngebäude wurde beschädigt. Aus den Trümmern zogen Rettungskräfte am Morgen die Leiche einer älteren Frau. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen. Zerstörung in Mykolajiw (Archivbild): Eine Frau wurde aus den Trümmern geborgen. (Quelle: imago images)

Streit um Getreideexporte – die Nacht im Überblick

5.30 Uhr: Der Streit um die ukrainischen Getreideexporte über das Schwarze Meer dauert an. Russland hat seinen Ausstieg aus dem Getreideabkommen erklärt und will nicht hinnehmen, dass die anderen Beteiligten – Vereinte Nationen, Türkei und Ukraine – einfach weitermachen. Das russische Verteidigungsministerium verlangte am Montagabend von der Ukraine zusätzliche Zusagen, den Seekorridor nicht militärisch zu nutzen. Hier lesen Sie den Überblick über die Geschehnisse in der Nacht.Ein Boot mit UN-Beamten macht sich auf den Weg, um aus der Ukraine kommende, mit Getreide beladene Frachtschiffe im Marmarameer zu inspizieren: Russland hat nach den Drohnenangriffen auf der Krim das Abkommen zum Transport von ukrainischem Getreide aus den Häfen im Schwarzen Meer gestoppt. (Quelle: Khalil Hamra/AP/dpa/dpa-bilder)

Deutsche Bahn beklagt langsame Abfertigung bei Getreideexporten an EU-Grenze

0 Uhr: Die Deutsche Bahn beklagt, dass sie ihre Kapazitäten für den Export ukrainischen Getreides wegen der EU-Grenzbürokratie nicht voll ausschöpfen kann. “Wir könnten noch mehr fahren, wenn die Grenzabfertigung an der EU-Außengrenze schneller ginge”, sagte ein Unternehmenssprecher dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland”.Speziell müssten an den EU-Außengrenzen die Infrastruktur und die Grenzprozesse ausgebaut und beschleunigt werden, sagte der Bahnsprecher. “Unserer Ansicht nach würde eine zentrale Koordination – strategisch und operativ – größere Frachtmengen auf der Schiene erlauben.” Die Nachfrage nach Transportkapazitäten sei sehr hoch, so der Sprecher weiter. “Wir fahren, so viel wir können.”

IAEA beginnt mit Prüfung von Vorwürfen zu “schmutziger Bombe”

23.32 Uhr: Die IAEA hat auf Bitte der Regierung in Kiew mit der Untersuchung des russischen Vorwurfs zum geplanten Bau einer “schmutzigen Bombe” durch die Ukraine begonnen. Die UN-Atomenergiebehörde habe hierzu Inspektoren in zwei ukrainische Nuklearanlagen geschickt, in denen Russland zufolge an Sprengsätzen gearbeitet wird, die mit radioaktivem Material versetzt sind, teilt IAEA-Chef Rafael Grossi mit. Beide Objekte waren bereits vor über einem Monat überprüft worden. Grossi wolle noch im Wochenverlauf seine ersten Ergebnisse mitteilen.

Putin: Attacke auf Infrastruktur ist Reaktion auf Flottenangriff

23.30 Uhr: Die russischen Attacken auf die ukrainische Infrastruktur sind nach Worten von Präsident Wladimir Putin teilweise eine Antwort auf die Drohnenangriffe auf die russische Schwarzmeerflotte. Die russischen Angriffe vom Montag seien nicht alles, was Russland noch machen könne, sagt Putin. Nach russischen Angaben wurden am Samstag Schiffe der Schwarzmeerflotte in Sewastopol auf der Krim mithilfe von Drohnen angegriffen. Russland macht die Ukraine dafür verantwortlich.Die russischen Angriffe vom Montag seien nicht alles, was Russland noch machen könne, sagt Putin. (Quelle: SPUTNIK/rtr)

UN: Getreidefrachter nicht in Schwarzmeer-Angriff verwickelt

23 Uhr: Das UN-Büro für humanitäre Hilfe (Ocha) hat die russischen Vorwürfe zurückgewiesen, wonach ein mit ukrainischem Getreide beladenes ziviles Frachtschiff in einen Drohnenangriff auf Russland verwickelt gewesen sein könnte. Zum Zeitpunkt des Angriffs hätten sich keine derartigen Schiffe in der “Sicherheitszone” des Getreidekorridors im Schwarzen Meer befunden, teilte Ocha-Chef Martin Griffiths am Montag dem Sicherheitsrat in New York mit. Der Korridor sei “nur eine Linie auf einer Karte”, er biete “weder Deckung noch Schutz für offensive oder defensive militärische Aktionen”, betonte Griffiths.

Scholz: Russischer Vorwurf von “schmutziger Bombe” ist haltlos

22.15 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat die von Russland erhobenen Anschuldigungen, wonach die Ukraine den Einsatz einer “schmutzige Bombe” vorbereiten soll, “entschieden als haltlos” bezeichnet. Das teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Montagabend in Berlin nach einem Telefonat von Scholz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit. “Der Bundeskanzler war sich mit dem ukrainischen Präsidenten einig, dass die von ukrainischer Seite initiierten unabhängigen Untersuchungen der Internationalen Atomenergieagentur hieran jeden Zweifel beseitigen würden”, erklärte Hebestreit.Russland hatte behauptet, Kiew plane zur Diskreditierung Moskaus eine radioaktive Bombe zu zünden. Die westlichen Atommächte und die Ukraine wiesen die Behauptung zurück. Eine solche “schmutzige Bombe” würde aus radioaktivem Material bestehen, das mit konventionellem Sprengstoff freigesetzt wird.Scholz erklärte laut Hebestreit in dem Telefonat mit Selenskyj, dass Deutschland nicht nachlassen werde, die Ukraine politisch, finanziell und humanitär sowie in der Verteidigung ihrer Souveränität und territorialen Integrität konkret zu unterstützen, “einschließlich bei Waffenlieferungen”. Der Bundeskanzler habe den “anhaltenden gezielten Beschuss” ziviler Infrastruktur in der Ukraine durch die russischen Streitkräfte verurteilt. Zudem hätten Scholz und Selenskyj dazu aufgerufen, die Durchführung und Verlängerung des Getreideabkommens unter der Ägide der Vereinten Nationen nicht zu gefährden, um die globale Ernährungssituation nicht weiter zu belasten.Olaf Scholz (SPD): Der Bundeskanzler hat den russischen Vorwurf, die Ukraine bereite den Einsatz einer “schmutzigen Bombe” vor, zurückgewiesen. (Quelle: Bernd Elmenthaler/imago images)

Putin: Haben Getreideabkommen nur ausgesetzt

22.03 Uhr: Russland beendet nach Worten von Präsident Wladimir Putin nicht das Getreideabkommen. Moskau setze dieses nur aus, sagt der russische Staatschef bei einer Pressekonferenz. Russland hatte das von den UN und der Türkei vermittelte Abkommen am Samstag gestoppt, das ukrainische Getreideausfuhren über das Schwarze Meer ermöglicht. Begründet wurde dies mit einem Drohnenangriff auf Schiffe der russischen Schwarzmeer-Flotte.

Selenskyj: Werden Getreide-Export fortsetzen

18.30 Uhr: Die Ukraine will den Getreide-Export über das Schwarze Meer trotz der russischen Aussetzung des Abkommens fortsetzen. Sein Land werde fortfahren wie mit den Vereinten Nationen (UN) und der Türkei vereinbart, kündigt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an. Er äußerte sich nach Gesprächen mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Petr Fiala.Wolodymyr Selenskyj: Der ukrainische Präsident will die Getreideexporte fortsetzen. (Quelle: IMAGO / NurPhoto)

Großbritannien warnt Kreml vor Atomwaffeneinsatz

17.50 Uhr: Großbritannien hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Fall eines Einsatzes von Atomwaffen in der Ukraine vor schwerwiegenden Konsequenzen gewarnt. Ein solcher Schritt würde die Art des Konflikts verändern, sagt Außenminister James Cleverly vor Abgeordneten in London. “Kein anderes Land spricht über den Einsatz von Atomwaffen. Kein Land bedroht Russland oder Präsident Putin”, erklärte der Minister. “Er sollte sich darüber im Klaren sein, dass für Großbritannien und unsere Verbündeten jeder Einsatz von Atomwaffen den Charakter des Konflikts verändern würde. Das hätte schwerwiegende Konsequenzen für Russland.” Zudem forderte Cleverly Russland auf, die Getreideexporte aus der Ukraine über das Schwarze Meer nicht zu behindern. Die “zunehmend verzweifelten Äußerungen” der russischen Führung dienten dazu, von den stockenden Kriegsanstrengungen abzulenken.

Russisches Verteidigungsministerium: Mobilmachung abgeschlossen

15.52 Uhr: Russland hat die von Präsident Wladimir Putin im September angeordnete Teilmobilmachung nach Angaben des Verteidigungsministeriums abgeschlossen. “Alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der Einberufung […] von Bürgern in die Reserve wurden eingestellt”, so das Ministerium. Mit der Teilmobilmachung sollten 300.000 Reservisten eingezogen werden.

Russisches Raketenteil trifft Dorf in Republik Moldau

13.28 Uhr: Bei dem schweren Luftangriff auf die Ukraine am Montag sind Teile einer abgeschossenen russischen Rakete in ein grenznahes Dorf im Norden der Republik Moldau gestürzt. Das teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Chisinau mit.In einigen Häusern des Ortes Naslavcea seien Fenster geborsten, Verletzte gebe es nach ersten Erkenntnissen nicht. Nach ukrainischen Militärangaben sollte die russische Rakete das etwa zehn Kilometer entfernte Wasserkraftwerk am Fluss Dnister bei Nowodnistrowsk treffen. Die ukrainische Luftabwehr habe die Rakete im Anflug abgeschossen.Das Verteidigungsministerium der Moldau bestätigte, dass die russische Rakete nicht den moldauischen Luftraum verletzt habe. Bei einem ähnlich großangelegten Luftangriff am 10. Oktober waren drei russische Raketen durch den Luftraum der nicht am Krieg beteiligten Republik Moldau geflogen.

Kreml: Getreideexporte ohne russische Mitwirkung “viel riskanter”

12.49 Uhr: Der Kreml nennt die ukrainischen Getreideexporte über das Schwarze Meer ohne russische Mitwirkung riskant. Wenn Russland sage, es könne die sichere Schifffahrt in diesem Seegebiet nicht garantieren, sei die internationale Vereinbarung über die Ausfuhren “nicht so leicht umzusetzen”. Das sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau nach Angaben russischer Agenturen. Die Getreideinitiative nehme dann “einen anderen Charakter an, viel riskanter, gefährlicher und ohne Garantie.”Russland hatte am Samstag die Vereinbarung über ukrainische Getreideexporte ausgesetzt, die im Juli von den Vereinten Nationen und der Türkei vermittelt worden war. Die UN, Ankara und Kiew einigten sich am Sonntag aber darauf, die Transporte auch ohne die Zusicherung freien Geleits durch Russland fortzusetzen. Die russischen Vertreter im gemeinsamen Koordinationszentrum in Istanbul seien darüber informiert worden. Schiffstracker zeigten am Montagmittag einen ganzen Konvoi von Frachtschiffen, die aus ukrainischen Häfen Richtung Bosporus unterwegs waren.Russland gibt ukrainischen Getreidetransporten im Schwarzen Meer vorerst kein freies Geleit. (Quelle: David Goldman)Peskow sagte, Moskau sei bereit, die Empfängerländer zu entschädigen, die durch den russischen Ausstieg aus dem Abkommen weniger Getreide bekommen. Wie dies praktisch aussehen werde, sei aber eine schwierige Frage.

Getreideabkommen: Türkischer Außenminister spricht mit Schoigu

12.48 Uhr: Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar will am Abend mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Schoigu wegen der Aussetzung des Getreideabkommens telefonieren. Die Getreideexporte aus der Ukraine müssten fortgesetzt werden, sagte Akar am Montag laut Angaben seines Ministeriums. Er sei auch mit dem ukrainischen Verteidigungsminister Olexij Resnikow in Kontakt. “Die Aussetzung dieser Initiative wird niemandem etwas nutzen”, betreffe aber die ganze Menschheit, so Akar.

Kiew nach Raketeneinschlag größtenteils ohne Wasserversorgung

11.58 Uhr: Durch einen russischen Raketentreffer sind am Montag in der ukrainischen Hauptstadt große Teile der Wasserversorgung ausgefallen. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete in einer Mitteilung auf Telegram davon, dass 80 Prozent der Verbrauchsstellen betroffen seien. Fachleute bemühten sich, den Schaden möglichst schnell zu beheben. Klitschko stellte in Aussicht, dass in den Stadtteilen östlich des Flusses Dnipro am frühen Nachmittag wieder Wasser fließen werde. Am westlichen Ufer mit dem Zentrum der Millionenstadt werde dies erst in einigen Teilen möglich sein.Die Angriffe mit mehr als 50 Marschflugkörpern und Raketen hatten nach ukrainischen Angaben auf sieben Gebiete gezielt, darunter Charkiw, Saporischschja und Kirowohrad. 44 der Geschosse konnten demnach abgefangen werden. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht.Klitschko riet der Bevölkerung in Kiew, sich notfalls an öffentlichen Zapfsäulen mit Trinkwasser einzudecken. Die Stadtverwaltung veröffentlichte eine Karte dieser Brunnen. Der Ausfall der Wassersysteme hing den Angaben zufolge mit Schäden an der Stromversorgung zusammen. Klitschko schrieb, 350.000 Haushalte seien auch ohne Strom. Für das Gebiet um die Hauptstadt teilte Gouverneur Oleksij Kuleba mit, die Bevölkerung solle sich für lange Stromausfälle wappnen.Feuerwehr in der Region Kiew pumpt Wasser aus einem Fluss (Archivbild): Raketeneinschläge haben eine unzureichende Wasserversorgung zur Folge. (Quelle: Volodymyr Tarasov/imago images)

London: Moskau schickt Reservisten schlecht ausgerüstet an Front

10.04 Uhr: Russland schickt Reservisten nach Einschätzung britischer Militärexperten oft nur mit schlechter Ausrüstung im Krieg gegen die Ukraine an die Front. “Im September zeigten sich russische Offiziere besorgt darüber, dass einige frisch mobilisierte Reservisten ohne Waffen in der Ukraine eintrafen”, hieß es in einem Bericht, den das Verteidigungsministerium in London am Montag veröffentlichte. Demnach legen Fotos auch nahe, dass Reservisten mit veralteten Waffen ausgestattet wurden, die wegen schlechter Lagerung kaum noch zu benutzen sein dürften.Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will London sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Verbündete bei der Stange halten. Moskau spricht von einer Desinformationskampagne.Ein russischer Soldat in der Ukraine: Berichten zufolge werden einige Kämpfer mit veralteten Waffen an die Front geschickt. (Quelle: Stanislav Krasilnikov/imago images)

Zwölf Schiffe aus Schwarzmeerhäfen ausgelaufen

9.20 Uhr: Trotz des von Russland ausgesetzten Getreidelieferabkommens haben am Montag nach ukrainischen Angaben zwölf Schiffe von Häfen des Landes abgelegt. Das teilt das Infrastrukturministerium in Kiew mit. Die Regierung in Moskau hatte am Wochenende überraschend das von den Vereinten Nationen und der Türkei vermittelte Abkommen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die Vereinbarung soll ukrainische Getreideausfuhren über das Schwarze Meer trotz des tobenden Krieges ermöglichen.

Raketen treffen Charkiw – Explosionen auch in Kiew

7.38 Uhr: Russland hat am Montag zu Beginn der neuen Woche wieder zahlreiche Städte in der Ukraine mit Raketen beschossen. In weiten Teilen des Landes gab es Luftalarm, die ukrainische Flugabwehr war aktiv, wie die dortigen Behörden mitteilten. Auch in der Hauptstadt Kiew, in Charkiw und Saporischschja waren demnach Explosionen zu hören.Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Schutzbunkern und anderen Räumen in Sicherheit zu bringen. Teils gab es Berichte über Stromausfälle. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen. Der ehemalige ukrainische Botschafter Andrij Melnyk teilte ein Video auf Twitter, auf dem Raketen zu sehen waren.Ersten offiziellen Angaben zufolge starteten die russischen Truppen – wie an den vergangenen Montagen – wieder Dutzende Raketenangriffe im morgendlichen Berufsverkehr. Dabei gab es immer wieder Tote und Verletzte. Über neue Opfer war am Morgen zunächst nichts bekannt. Russland hatte erklärt, besonders die Energieinfrastruktur des Nachbarlandes ins Visier zu nehmen. Die Ukraine spricht von “Energieterror” mit dem Ziel, die Menschen in Dunkelheit, Kälte und Angst zu stürzen und so in die Flucht in die EU zu treiben.Russland setze seine Angriffe gegen die zivile Infrastruktur fort, teilte der Chef des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, in seinem Blog im Nachrichtenkanal Telegram mit. “Wir werden durchhalten. Und diese Schande wird ganze Generationen von Russen teuer zu stehen kommen”, kündigte er an. Zugleich forderte er vom Westen mehr Waffen und neue Sanktionen gegen Russland.Zerstörung in Charkiw (Archivbild): Der Bürgermeister berichtet von weiteren Raketenangriffen. (Quelle: Pavlo Bahmut/imago images)

Das Wichtigste der Nacht

5.30 Uhr: Die Vereinten Nationen haben mit der Türkei und der Ukraine einen Plan erarbeitet, um weiter Getreideschiffe fahren zu lassen. Russland ist informiert worden, heißt es. Heute sollen zwölf Schiffe losfahren. Präsident Selenskyj hat die militärische Lage mit den Spitzen der Streitkräfte besprochen. Lesen Sie hier unsere Zusammenfassung der Nacht.Wolodymyr Selenskyj hat sich erneut mit der Militärführung beraten. (Quelle: IMAGO/Ukrainian Presidential Press Off)

Selenskyj berät sich mit seinen Militärs

2.30 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit der Spitze der Streitkräfte und der anderen Sicherheitsorgane erneut über den Fortgang des Abwehrkampfes gegen Russland beraten. Dabei sei es auch um die möglichen Pläne des Feindes für die kommende Zeit gegangen, sagte der Staatschef am Sonntag in seiner abendlichen Videoansprache. Einzelheiten nannte er nicht. Allerdings sind auf solche Sitzungen des Oberkommandos schon mehrfach Offensiven der ukrainischen Streitkräfte gefolgt.”Wir arbeiten täglich, um die Wiederherstellung der territorialen Unversehrtheit unseres Staates zu beschleunigen”, sagte er.Es habe in der Ukraine am Sonntag keine Stromausfälle gegeben, sagte Selenskyj. Trotzdem sei Strom knapp. Weiterhin gebe es gezielte Abschaltungen, um das Netz zu stabilisieren. Angesichts fehlender Straßenbeleuchtung rief der Präsident alle Verkehrsteilnehmer zu besonderer Vorsicht bei Dunkelheit auf. Russland hat mit Luftangriffen die ukrainische Energieversorgung schwer beschädigt.

UN-Plan: Zwölf Schiffe sollen am Montag Richtung Istanbul aufbrechen

1.20 Uhr: Trotz der russischen Aussetzung des Abkommens zum Export von Getreide aus der Ukraine sollen am Montag weiter Schiffe über den Korridor im Schwarzen Meer ausfahren. Die Delegationen der Vereinten Nationen, der Türkei und der Ukraine hätten sich auf einen entsprechenden Plan geeinigt, hieß es in einer Mitteilung des Koordinierungszentrums in Istanbul in der Nacht zum Montag.Am Montag sollen demnach zwölf Schiffe durch den festgelegten humanitären Korridor in Richtung Istanbul aufbrechen, vier in entgegengesetzte Richtung. Die russische Delegation sei darüber informiert worden. Am Sonntag seien sechs beladene Schiffe in Richtung des Korridors aufgebrochen. Im Korridor selbst habe es am Sonntag aber keine Schiffsbewegungen gegeben.Derzeit würden sich 21 an der Initiative beteiligte und mit etwa 700.000 Tonnen Getreide beladene Frachter in oder in der Nähe der drei ukrainischen Häfen befinden, hieß es. Darunter sei auch ein mit 30.000 Tonnen Weizen beladenes Schiff für Nothilfe am Horn von Afrika im Rahmen des Welternährungsprogramms.Die Kontrollen ausfahrender Schiffe am Bosporus wurden am Sonntag fortgesetzt, der Mitteilung zufolge wurden an diesem Tag Inspektionen von elf beladenen Schiffen abgeschlossen. Insgesamt seien derzeit 112 Schiffe zur Inspektion in Istanbul registriert, 97 davon beladen.Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol (Archiv): Nach russischen Angaben ist ein Schiff bei dem ukrainischen Angriff beschädigt worden. (Quelle: Uncredited/AP/dpa/dpa-bilder)

SPD-Politiker: Getreide auf dem Landweg exportieren

1 Uhr: Nach der russischen Aussetzung der Vereinbarung zu ukrainischen Getreidetransporten auf dem Schwarzen Meer hat der SPD-Außenpolitiker Nils Schmid gefordert, die Ausfuhr auf dem Landweg zu stärken. “Wir müssen noch sehr viel stärker die Landwege ertüchtigen, um die Ausfuhr von Getreide zu ermöglichen”, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montag).”Da der Seeweg offensichtlich sehr unsicher ist und das Abkommen über den Getreideexport instabil ist, müssen wir vor allem die Eisenbahnlinien entsprechend umrüsten.” Schon jetzt sei etwa die Hälfte der Getreideexporte aus der Ukraine auf dem Landweg herausgebracht worden, argumentierte Schmid.

So können Sie für die Ukraine spenden

Angesichts der Nachrichten aus der Ukraine fühlen sich viele Menschen hierzulande machtlos. Wenigstens mit einer Spende möchten sie helfen. Hier finden Sie eine Auswahl an Hilfsorganisationen.Ältere Nachrichten lesen Sie im vorherigen Newsblog.

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